Penguin Island

Eigentlich heißt sie Saunders Island und ist eine der vielen kleinen Inseln der Falklands. Sie gehört einer Familie, die hier Schafzucht betreibt und regelmäßig Touristen empfängt. Aber eigentlich gehört sie Pinguinen, Vögeln, Delfinen und vielen anderen Tieren, die hier fast vollkommen ungestört leben können – wenn man von den gelegentlich kommenden Touristen absieht, die auf einem engen Pfad mit entsprechendem Abstand durch die Landschaft gehen können. Ab und zu ist der Pfad mal für eine viertel Stunde unterbrochen, wenn ein paar Pinguine gerade auf ihrem Weg von der Kolonie zum Strand unterwegs sind. Steht gerade in dem Moment ein Tourist im Weg herum, warten die Pinguine ganz geduldig und setzen ihren Weg fort, wenn er wieder frei ist. Ähnlich ist es bei den Vogelkolonien – allerdings scheren die sich nicht um den Touristenpfad, der einfach überflogen wird.

Da den Tieren hier von den Menschen keine Gefahr droht, sind sie absolut nicht scheu. Ein „Johnny Rook“ (ein Greifvogel mit dem offiziellen Namen „Streifenkarakara“ mit einer Spannweite von mehr als einem Meter, einer der seltensten Greifvögel der Welt mit ca. 500 Brutpaaren und nur auf den Falklands und wenigen anderen Inseln beheimatet) ist für ein paar Sekunden auf meinem Kopf gelandet und hat den Platz für den zukünftigen Nestbau untersucht. Da ich nicht länger als den Tag bleiben wollte und ein Abtransport an eine für ihn bessere Stelle aus gewichtstechnischen Gründen scheiterte haben wir uns schnell geeinigt, dass er weiter sucht. Tatsächlich gibt es von einem Mitreisenden ein Zufallsvideo von dem Moment. Aus dem Film stammt das unten angehängte Bild (veröffentlicht trotz des etwas unvorteilhaft blickenden Landeplatzes, der überhaupt nicht auf diese Landung vorbereitet war). Aber wer kann das schon von sich behaupten, einen der seltensten Greifvögel der Welt auf dem Kopf gehabt zu haben.

Nähern sich Touristen dann doch mal einem Pinguin trotz entsprechender eindeutiger Regeln gucken die Tiere eher interessiert. Irgendwie sagt der Blick des Pinguins dann „Du weißt doch genau, dass Du hier nicht hindarfst. Ich freue mich schon darauf, wenn Du gleich weggepfiffen wirst“. Was dann auch ganz schnell passiert. Die Guides von Schiff stehen in kurzen Abständen und greifen ein. Teilweise ist es dann mit der Freundlichkeit auch mal schnell vorbei, wenn die Gäste offensichtlich bewusst die Regeln brechen. Leider gibt es wie in jeder Menschenansammlung auch hier ein paar Deppen, die immer wieder auffallen. Und wenn man den Pinguin dann weiter beobachtet, könnte man auf die Idee kommen, dass er das Zusammenstauchen der menschlichen Barriere regelrecht feiert.

Das gilt aber nicht nur bei den menschlichen Begegnungen. Auch wenn sich ein Pinguin in der Menge mal verirrt, wird er gleich von allen Seiten attackiert. Und das nicht nur verbal – da geht es manchmal ganz schön zur Sache. Diese Kolonien wirken wie menschliche Neubausiedlungen. Jede Familie hat ein kleines Grundstück, ziemlich nah am Nachbarn. Wagt es aber jemand, den eigenen Garten ungefragt zu betreten, dann ist die Stimmung aber ganz schnell nicht mehr nachbarschaftlich.

Diesmal haben wir für die Anlandung auf der Insel wieder die Zodiacs benutzt. Die Crew hat vorab eindringlich darauf hingewiesen, dass der Wind und die Wellen gerade noch so die Anlandung zulassen und wasserfeste Kleidung diesmal nicht nur empfohlen wird, sondern vorgeschrieben war. Vollkommen zurecht. Eine Wildwasserbahn im Freizeitpark ist ein Dreck gegen die beiden Fahrten.

Leider wurde es im Laufe des Tages immer windiger, so dass die am heutigen Tag geplante dritte Anlandung auf den Falklands ausfallen musste und sich das Schiff einen Tag eher auf den Weg nach Puerto Madryn im nördlichen Patagonien gemacht hat. So schaukeln wir heute mit deutlich mehr Seegang als in der Drake-Passage durch den Atlantik. Unser letzter Stopp vor dem endgültigen Ziel Buenos Aires liegt rund 1.700 km nördlich von dem Startpunkt in Ushuaia.

Auch heute wieder ein paar Bilder, diesmal nicht alle von mir (Credits an Jens B.) – ich habe beim Joggen auf den Falkland-Inseln mein Handy zerschrottet (und ein wenig von mir selbst):

Der Johnny Rook bei seinem Landeversuch

Stefan

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