Wetter gibt‘s hier auch

Gestern morgen sind mit einem traumhaften Sonnenaufgang aufgewacht und einem Halo um die Sonne. Das ist ein Ring der durch die Lichtbrechung von Eiskristallen in der Luft entsteht (Bild unten). Der Himmel war klar und alles sah endlich mal aus wie im Prospekt. Sonnenschein und wunderbar reflektierendes Eis. Somit beste Voraussetzungen für den Landausflug am Nachmittag. Es war schön, das auf dieser Reise auch noch zu erleben, denn bisher war das Wetter eher bedeckt. Nicht, dass bedeckter Himmel diese beeindruckende Landschaft weniger reizvoll machen würde.

Beim Landausflug am Nachmittag war die Sonne dann schon wieder verschwunden und direkt beim Übersetzen fing es leicht an zu schneien. Eine Stunde später war es schon fast weiß und wir sind im dicken Schnee zurück gefahren. Was soll ich sagen: Eine Pinguinkolonie im Schneetreiben gibt einem noch mehr Antarktisfeeling. Und ich konnte nach dem Ausflug ja auch wieder in die warme Kabine.

Apropos Wetter und Temperaturen: auf der Südhalbkugel geht der Sommer langsam zu Ende. Diese Fahrt ist die letzte in diesem Sommer und in einem Monat ist hier alles zugefroren. Die nur im Sommer besetzten antarktischen Stationen sind schon dicht bis zum Oktober. Wir hatten in Buenos Aires noch fast 30 Grad. Über 3000 km südlicher am Start der Fahrt in Ushuaia waren es noch 7 Grad. Hier auf der Antarktischen Halbinsel (quasi noch der Norden der Antarktis kurz vor dem südlichen Polarkreis) haben wir zwischen -7 und +1 Grad gehabt. Nachts war es kaum viel kälter als tagsüber. Unterscheide hat mehr der Wind gemacht. Da geht die gefühlte Temperatur schnell mal deutlich nach unten. Heute beispielsweise haben wir -1 Grad, gefühlt bei -11 Grad. Das kann aber wohl auch ganz anders aussehen – wir haben auf der Reise viel Glück mit dem Wetter gehabt.

Heute waren wir dann in einer verlassenen Walfangstation auf einer Insel namens Deception Island. Die Insel gehört zu den südlichen Shetlandinseln. „Südlich“ ist wichtig, ansonsten wäre man nördlich von Schottland. So ist es eine der Antarktischen Halbinsel vorgelagerte Inselgruppe.

Deception Island

Deception Island ist vulkanischen Ursprungs und hat eine mit Wasser gefüllte Caldera. Diese ist so groß, dass das Schiff an einer ca. 200 Meter breiten Stelle einfahren kann und in einem natürlichen Hafen steht. In diesem geschützten Hafen landeten vor rund 200 Jahren die ersten Menschen an und fingen Robben. Anfang des letzten Jahrhunderts wurde dann der Walfang industriell von der Insel aus betrieben bis Fabrikschiffe eine Verarbeitung an Land zu teuer machten. 1928 startete von hier der erste motorisierte Flug über die Antarktis. Mit der Aufgabe der Walverarbeitung war die Station zunächst verlassen und wurde nach dem zweiten Weltkrieg von den Engländern als Forschungsstation genutzt. Zwei Vulkanausbrüche Ende der 1960er-Jahre und die damit verbundenen Zerstörungen haben zur endgültigen Aufgabe geführt. 1995 und 2003 wurden die Reste dann unter Schutz gestellt und sind heute eine der meistbesuchten Stätten in der Antarktis.

Der Vulkan ist übrigens noch aktiv. Die Caldera hebt sich jährlich um 30 Zentimeter. Angeblich soll aber auf dieser Reise keine Gefahr bestehen. Ansonsten wird das Ding hier wahrscheinlich ganz fix zu einem Raumschiff oder einem U-Boot. Da ich optimistisch bin, geht es dann heute Nacht wieder Richtung Norden und wir haben die zweite Chance auf einen Drake-Shake. Da es die letzte Reise in dieser Saison ist, geht es nicht nach Ushuaia zurück, sondern mit zwei Zwischenstopps nach Buenos Aires. Das erspart den Inlandsflug in Argentinien und ermöglicht noch einen Besuch der Falklandinseln.

Arktischer Halo

Stefan

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