Nicht falsch verstehen, es ist jetzt nicht so, dass es mein Wunsch war. Aber gestern hat mich Petrus ja verschont und nach dem Wetterbericht für heute gab es wenig Chancen, trocken zu fahren. Ab 12 Uhr sollte für 6 Stunden eine dicke Regenfront herüberziehen. Heute Morgen war sie nach Angaben des Regenradars schon um 10 Uhr da. Also schnell die schon gepackten Sachen aufs Rad und um 7 Uhr (ja, sonntags. Ja, ich. Kein Schreibfehler: 7 Uhr) trat ich in die Pedalen, was das Zeug hielt. 55 km, eine hügelige Strecke und die Hälfte davon sandige Pisten – verriet das Navi.
Kurz vor 10 Uhr rollte ich in Bartoszyce mit einer dunklen Wolke im Nacken ein. In eben diesem Nacken landeten noch ein paar Tropfen und dann war der Regen vorbei. Das Hotel war ohnehin schon reserviert. Und da auf den nächsten 40 bis 50 Kilometern ebenfalls keine Unterkunft zu finden gewesen wäre, wurde es heute eben eine kurze Etappe. Netterweise durfte ich schon aufs Zimmer und nach einer Dusche und einem Kaffee fand ich mich mit meinem Aufenthalt hier ab.
Bartoszyce liegt nur rund 15 Kilometer von der russischen Grenze entfernt. Die Stadt entstand im 14. Jahrhundert als Ordensstadt und trug bis 1945 den deutschen Namen Bartenstein. Von der mittelalterlichen Stadtbefestigung ist noch das Heilsberger Tor erhalten (was dann übrigens auch „die“ Sehenswürdigkeit ist). Eine typische Kleinstadt, deren Zentrum in 15 Minuten erkundet ist und in der man am Sonntag andauernd über hochgeklappte Bürgersteige klettern muss. So komme ich mal wieder etwas zum Lesen.
Inzwischen regnet es (hier das „endlich“) und das Regenradar hatte Recht. Ich wäre ansonsten jetzt wahrscheinlich irgendwo in der Pampa klitschnass und wenig in Urlaubsstimmung. Also unterm Strich alles richtig entschieden. Ich hätte heute Morgen eben nur etwas länger schlafen und weniger fix radeln können. Aber hinterher ist man ja immer…
Und wer bis hierhin gelesen hat, sieht jetzt ein wunderschönes Beispiel dafür, wie man vier Absätze aus „eigentlich ist nix passiert“ und „ich bin in einem Ort, wo es nichts zu sehen gibt“ schreiben kann.









Sieht aber schön friedlich aus, die Kleinstadt. Wahrscheinlich das krasse Gegenteil zum Trubel in Danzig.
absolut, das ist hier undertourism 😎
Son bisschen Erholung auf der Tour tut dem Körper auch mal gut. Und lesen für Kopf auch eine Abwechslung. Gönnt man sich mal, schließlich bist Du ja nicht auf der Flucht. 🙂
Gut Fahrt weiterhin und Abwechslungsreiche Landschaften… 😉
Gruß THOMAS
Ja, da hast Du wohl Recht 😎
Danke und Grüße zurück
Die Bilder zeigen doch ein wirklich nettes Städtchen. Also etwas zur Erholung. Ist es dir so dicht an der russischen Grenze nicht etwas unheimlich? Du hattest ja die strategische Position im Zusammenhang mit Königsberg beschrieben…
Liebe Grüße Christian
Moin, jetzt klappts ja wieder mit den Kommentaren 😎 Danke nochmal für Deinen Hinweis.
Nö, so richtig unheimlich ist das nicht. Die Leute leben hier ja auch ganz normal. Ich denke, es wird etwas anderes, wenn ich dann mal wirklich „am Zaun“ langfahre. Hoffentlich übermorgen muss ich zusehen, dass ich die Kurve nicht zu eng nehme, ansonsten brettere ich in den Zaun 😬