Don‘t cry to leave Argentina

Frohe Ostern an alle. Heute ist der letzte Tag auf See und die Reise nähert sich dem Ende. Morgen früh legt das Schiff im Hafen von Buenos Aires an, noch eine kleine Stadtrundfahrt und Nachmittags geht es dann mit dem Flieger über Nacht mit einem Zwischenstopp in Frankfurt nach Hamburg.

Unser Zwischenstopp in Puerto Madryn war – bis auf einen Trip zu einer Seehundbank – eher zu vernachlässigen. Ein typischer Kreuzfahrt-Touristopp in einem wenigstens nicht wirklich schönen Ort. Wenigstens konnte ich mir einen Ersatz für mein geschrottetes Handy holen. Aber vielleicht sind wir nach dieser Reise auch wirklich verwöhnt, was Anlandungen angeht.

Die Seehunde waren noch einmal ein kleines Highlight. Hunderte von ihnen in einer Kolonie entweder am dösen oder am baden (also jagen und essen). Alle Größen von Baby bis Großeltern. Sehr niedlich anzuschauen, zumal wir mit dem Boot da waren und ganz viele sehr neugierig um das Boot herum geschwommen sind und geprüft haben, ob dort Futter drin sitzt. Bilder habe ich leider nur im Kopf, ich hoffe auf versprochene Zusendungen von Mitreisenden zu Hause. Aber zum Eindruck wenigstens ein Bild aus dem Netz:

Und die schönsten Ecken von Puerto Madryn:

Somit endet eine im wahrsten Sinne des Wortes einzigartige Reise. Weder Worte noch Bilder können einen wirklichen Eindruck verschaffen.

Es war ein Teil der Welt, der sich mit nichts vergleichen lässt, was ich bisher gesehen habe. Auch wenn man natürlich auf so einer Fahrt nicht alleine ist, sind es doch so wenig Menschen bei der Anlandung, dass man eine Vorstellung dieser Einsamkeit bekommen kann. Eine Vorstellung der mutigen Entdecker, die sich fast 3.000 km durch die Einsamkeit geschlagen haben, „nur“ um zum Südpol zu gelangen. Mit einer Ausrüstung, die uns heute als unmöglich erscheint. Eine Vorstellung, wie die Forscher hier in der Kälte und Einsamkeit den Winter verbringen.

Auch nicht zu beschreiben sind die Größenverhältnisse bei Gebirgen, Gletschern und Eisbergen, die auch auf keinem Bild wirklich darstellbar sind. Die auch beim Blick vom Schiff nicht wirklich begreifbar sind. Wenn das Schiff direkt neben fast 1.000 Meter hohen verschneiten („verschneit“ heißt hier etwas ganz anderes als in den Alpen) Bergen vorbeifährt, neben denen ein Gletscher hunderte Meter große Eiswürfel ins Meer entlässt. Wenn diese Eisberge mit Blautönen, die auf keinem Foto richtig herüberkommen, dann am Schiff vorbeischwimmen und das in tausenden von Jahren entstandene Eis langsam so schmilzt, dass skurrilste Formen entstehen. Wenn man an einer Eis-Abbuchkante die „Jahresringe“ der Eisschichten sehen kann, es aber zu viele zum zählen sind. Dann ist man einfach nur überfordert mit dem, was man sieht.

Dazu eine Tierwelt, die (inzwischen wieder) vom Menschen nahezu unberührt ist und weder eingesperrt noch gejagt wird. Tiere, die schon viel länger auf diesen Planeten sind als die Menschen. Es ist nicht ansatzweise zu vergleichen, wenn man Whale Watching bisher nur aus dem Touristenboot und einer Entfernung von ein paar hundert Metern kennt und dann plötzlich neben dem Zodiac eine Wal-Familie auftaucht, das Boot begleitet und man von der Fontäne naß gespritzt wird. Und danach noch ein paar Pinguine auftauchen und sie dich ganz friedlich anschauen und der Blick für Dich sagt „schon geil hier, oder?“. Wenn man eine ganze Bucht voller Wale hat und stundenlang dem Gesang dieser beeindruckenden Tiere zuhören kann. Wenn man zu Fuß durch eine Pinguin- oder Vogelkolonie geht, an Seelöwen vorbeischlendert und die Tiere höchstens mal neugierig schauen so lange man nicht auf ihr Grundstück latscht.

Es war ein Gefühl für Natur, was ich noch nie vorher so im Leben erlebt habe. Bisher war ich immer nur in Natur, die irgendwie vom Menschen schon in Besitz genommen war. Hoffentlich wird diese Natur nicht durch den Klimawandel oder eine Ausweitung des Tourismus auch noch vom Menschen kaputt gemacht. Ein Widerspruch in sich als Antarktis-Tourist. Was ich auf dieser Reise zur versuchten Nachhaltigkeit auf Basis der IAATO-Richtlinien (zum Reisen in Antarktis) gelernt habe, dürfte der Tourismus gegenüber dem Klimawandel aber das eher kleinere Problem sein. Auch wenn beides natürlich wiederum zusammenhängt. Es ist nur zu hoffen, dass die Menschheit nicht auch hier in ihrer Gier irgendwann (wieder) wirtschaftliche Interessen nach vorne stellt und den strengen Antarktis-Vertrag einfach bricht.

So war es mit ein klein wenig schlechtem ökologischen Gewissen eine wirkliche traumhafte „once-in-a-lifetime“-Reise, deren Bilder einen großen und dauerhaften Speicherplatz im Hirn bekommen haben.

Danke fürs Folgen. Ich hoffe, das Lesen und die Fotos haben Spaß gemacht und vielleicht ein wenig von dieser wunderbaren Welt vermitteln können.

Stefan

4 Gedanken zu „Don‘t cry to leave Argentina

  1. Schön geschrieben!
    Aber auch wenn es sehr beeindruckend und für einen als Person nachhaltig wirkend ist, so muss man sich schon die Frage stellen, ob eine solche Touristen-Reise wirklich gerechtfertigt ist? Ich tendiere (gerade auch nach meinen Erfahrungen im Urwald in Malaysia) eher zu einem Nein.

    1. Danke 😃
      Ich denke, dass muss jeder mit sich selbst ausmachen. Schaden in der Natur wird bei den Anlandungen nach meiner jetzigen Erfahrung bei diesem Veranstalter nicht hinterlassen. Solch achtsame Trips habe ich noch nie erlebt. Der CO2-Abdruck des Fluges und der Fahrt bleibt natürlich trotzdem, auch wenn das Schiff im Zielgebiet oft mit Elektroantrieb unterwegs war. Da hat dann jeder Reisende seine persönliche Bilanz – unabhängig vom Zielgebiet.

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