Schwedische Erkenntnisse

Gestern hatte ich ja schon die erste Vermutung, dass die Ortsnamen hier in Schweden irgendwas mit dem Möbelhaus zu tun haben. Heute habe ich dann den Beweis gefunden: ein riesengroßes Ortsschild.

Was auch sehr auffällig ist: Der Anteil von Volvos hier ist unheimlich hoch. Da muss es auch irgendeinen Zusammenhang geben. Ich glaube, ich bin da etwas ganz Großem auf der Spur.

Und wo wir dann beim Thema Auto sind: Nach wie vor bin ich von den nordischen Autofahrern beeindruckt. Als Radfahrer hat man hier echt wenig zu befürchten. Das ist natürlich anekdotisch und keine grundsätzliche Regel. Aber es ist schon sehr auffallend. Ich würde es wie folgt charakterisieren:

Stellen wir uns eine Landstraße mit einer Geschwindigkeitsbegrenzung von 70 km/h vor:

  • Deutschland: Du wirst eng mit 80 km/h überholt, weil die 2-m-Abstandsregel in dem Moment nicht gilt. Man darf ja nicht über die durchgezogene Linie auf die Gegenfahrbahn ziehen.
  • Polen: Du wirst mit weitmöglichstem Abstand mit circa 120 km/h überholt. Der Radfahrer soll schließlich nur möglichst kurz gefährdet werden. Bei Gegenverkehr kann man nicht auf die Gegenfahrbahn, deswegen reduziert man die Geschwindigkeit beim engen Überholen auf 90 km/h.
  • Litauen: Du wirst mit weitmöglichstem Abstand mit circa 80 km/h überholt. Ist die Gegenfahrbahn voll, versucht man den entgegenkommenden Verkehr etwas abzudrängen und einen Kompromiss zu finden.
  • Schweden: Viel schneller als 60 km/h fahren die wenigsten auf engen Landstraßen. Ist über weite Entfernung sicher erkennbar, dass kein Gegenverkehr unterwegs ist, wird vorsichtig mit großem Abstand überholt. Deutet sich Gegenverkehr auch nur an, fährt man eben hinter dem Radfahrer so lange hinterher, bis alles frei ist.

Andere Situation. Du fährst mit deinem Fahrrad eine Straße auf dem Radweg entlang (gefühlte 95% der Straßen haben diese Option). Aus einer Seitenstraße kommt ein Auto.

  • Deutschland: Der Autofahrer fährt ganz bis vorne an die Straße, um sich zu orientieren. Radfahrer? Welcher Radfahrer? Der konnte doch hinten herum um mein Auto. Alternativ dann der hektische Versuch, zurückzusetzen, bei gleichzeitiger Überforderung.
  • Polen: Schnell beschleunigen, damit der Radfahrer nicht behindert wird. Klappt schon.
  • Litauen: Normal weiterfahren und schauen, wer das Rennen gewinnen wird. Ist der Radfahrer schneller wartet man auch. Verunsichert Dich als Radfahrer massiv, weil keine der beteiligten Parteien weiß, was passieren wird.
  • Schweden: Es wird vor dem Beginn des Bürgersteigs/Radwegs gewartet. Egal, ob man schon ein Radfahrer sieht oder nicht. Sofern ein Radfahrer oder ein Fußgänger kommt, wartet man, bis diese vorbei sind. Egal wie weit sie weg sind. Die Taktik animiert dich, schneller in die Pedale zu treten, weil du bei dem noch dazwischen liegenden Riesenabstand ein total schlechtes Gewissen bekommst.

Oder um es auf den Punkt zu bringen: Radfahren in den nordischen Ländern ist wirklich angenehm. Bewusst „nordische“ Länder, weil ich es bisher in Finnland und Dänemark genauso erlebt habe. Zu Norwegen kann ich noch nichts beisteuern.

Angenehm war heute nicht nur die Vorsicht der Autofahrenden, sondern auch wieder eine landschaftlich traumhafte Strecke. Das hab ich schon oft geschrieben, und das stimmte dann natürlich auch. Heute war es aber etwas Besonderes, weil ich selten an der Ostsee so nah an der Ostsee war. Teilweise trennten den Radweg und das Wasser nur ein wenige Meter schmaler Strand. Dadurch haben sich traumhafte Blicke ergeben. Ein kleiner Nachteil war, dass es die meiste Zeit an einer Landstraße entlang ging. Aber man kann sich ja aussuchen, zu welcher Seite man blickt.

In Trelleborg hatte ich einen Verpflegungspunkt der besonderen Art: Sonja und Frank, gerade mit ihrem Kastenwagen auf der Rückfahrt nach Deutschland, trafen zur gleichen Zeit ein wie ich und haben ein Eis spendiert. Blog sei Dank.

Schweinehund hatte schon vorher angekündigt, dass er gerne in Trelleborg bleiben und die Fähre nach Travemünde nehmen würde. Das Knie, der Knöchel, zu warm (inzwischen 28 Grad am Nachmittag). Jetzt sitzt er hier und schmollt, nachdem ich seinen Hinweis, es gäbe auch eine Fähre von hier aus direkt nach Deutschland dankend abgelehnt habe. Nächstes Ziel jetzt erst mal Göteborg. Sofern sich Schweinehund nicht mit Petrus zusammentut: sieben von neun Tagen sind in der Vorhersage mit Regenwahrscheinlichkeiten größer 50 % gekennzeichnet. Ich habe ihn versucht bei Laune zu halten mit dem Hinweis, es gibt von Göteborg eine direkte Fähre nach Kiel (Schweinehund, bei Petrus bin ich ratlos).

In Malmö war ich jetzt schon mehrmals und die Stadt gefällt mir immer wieder. Für mich ist sie eine gelungene Mischung aus Alt und Neu. Es gibt einen schönen Altstadtkern mit kleinen Plätzen und historischen Gebäuden, gleichzeitig aber auch moderne Architektur und ganze neue Stadtviertel. Überall sitzen Menschen in Cafés oder Restaurants, die Parks und Plätze sind gut besucht und insgesamt wirkt die Stadt sehr lebendig.

Mit rund 370.000 Einwohnern ist Malmö nach Stockholm und Göteborg die drittgrößte Stadt Schwedens. Jahrhundertelang gehörte die Stadt allerdings gar nicht zu Schweden, sondern zu Dänemark. Erst mit dem Frieden von Roskilde im Jahr 1658 fiel ganz Schonen an Schweden. Heute verbindet die Öresundbrücke Malmö direkt mit Kopenhagen. Dadurch sind die beiden Städte wirtschaftlich und kulturell eng miteinander verbunden, viele Menschen pendeln täglich über die Brücke.

Stefan

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Zurück nach oben