Würde ich nur für mich Tagebuch schreiben wäre heute der Eintrag: „Das war heute ein absoluter Scheißtag auf dem Rad“. Da aber einige mitlesen, formuliere ich das etwas zurückhaltend: „Das war heute ein Scheißtag auf dem Rad“.
Ich war heute regelrecht Auf der Flucht. Hinter mir ein Regengebiet, das mich verfolgt hat. Neben mir eines, das eigentlich auf meiner Strecke niedergehen sollte und weswegen ich extra Speed gemacht hatte, um mich unterstellen zu können. Es hat sich dann über der Ostsee abgeregnet. Und vor mir am Zielort eines, was bei zu später Ankunft loslegen wollte.
Ich hatte heute auch keine Idee mehr, was Gut gegen Nordwind wäre. Frontal von vorne bei ziemlich vielen Steigungen. Die Strecke lag bei den Höhenmetern immerhin im Mittelfeld aller 20 Etappen. Und sie war noch nicht mal schön, fast nur an Landstraßen entlang. Der Wind war nicht nur kräftig, sondern auch noch kalt. Zwischendrin stand in der Wetterapp „16 Grad, gefühlt 9“.
Dazu war noch der Wurm drin. Fast leere Straßen, aber kaum musste ich abbiegen oder queren, kam ein Auto und bremste mich aus. Am Ende fühlte ich mich bei fast allen Stellen wie in Täglich grüßt das Murmeltier. Zumal jedes Anfahren gegen Wind und Steigung wieder etwas von der sowieso schon kaum noch vorhandenen Kraft kostete. Die letzten Kilometer habe ich mir vor Verzweiflung schon das USB-Kabel der Powerbank zwischen die Zähne geklemmt (gut, dieser Teil ist leicht übertrieben. Aber alles davor war so – ich schwöre).
Mit meiner Ankunft in Varberg wurde es dann allerdings noch ein schöner Nachmittag. Meine Unterkunft ist ein Zimmer in einer alten schwedischen Villa – sieht aus wie im Klischeebild. Und das Städtchen ist für mich wieder so eine kleine Perle zum wohlfühlen, wo ich ohne eine Radtour wahrscheinlich nie hingekommen wäre. Noch schöner wäre es wahrscheinlich in der Woche ohne Regen und mit Sonne. So ist es etwas verlassen.
Auch Varberg gehörte ursprünglich zu Dänemark. Wahrzeichen der Stadt ist die imposante Festung aus dem 13. Jahrhundert, die heute eines der besterhaltenen Festungsbauwerke Schwedens ist. Direkt an der Strandpromenade steht außerdem das historische Kaltbadehaus von 1903, dessen hölzerner Badesteg weit ins Meer hinausreicht. Man verbindet die Sauna mit einem Bad im Kattegat.
Morgen soll dann die letzte Schweden-Etappe auf der Tour bis nach Göteborg erfolgen. Wenn die Wettervorhersage stimmt, soll es in dem Bereich meiner Etappe ab dem frühen Vormittag trocken bleiben und vor allem soll der Wind drehen. Wenn ich also Glück habe, dann heißt es Gut mit Südwind.














Das eine Foto sieht ja aus wie in Heringsdorf auf Usedom. Bist du wirklich in Schweden?
Ich schwöre 😇🇸🇪
Hi Stefan, das Städtchen sieht ja wirklich sehr schön aus und der Steg erinnert mich an Binz. Das es im Sonnenschein noch einmal mehr punkten könnte, den Glauben kann ich teilen. Was die Etappe angeht, hast du es dir ja ordenlich gegeben! Die Steigerung wäre nun der Canal de la Vallée des Baux mit Mistral von vorne… 😉
Hoffe deine Schlußetappe ist ebenfalls gelungen und du kannst befriedigt auf die Fähre.
Danke, Christian – ja, ich bin gerade in Göteborg angekommen. Nachher mehr 😀