Die Eurovelos

Wer meine Touren schon länger verfolgt, kennt sie: die Eurovelos. Insgesamt 15 Radrouten, die quer durch Europa führen. Seit meiner Abfahrt in Kiel folge ich im Großen und Ganzen der Route 10 (Ostseeküsten-Route), die – es erklärt sich fast von selbst – einmal die Ostsee umrundet. Einige Abkürzungen habe ich allerdings genommen und so beispielsweise Fehmarn und Rügen ausgelassen.

Seit Travemünde begleitet mich parallel auch die Route 13 (Eiserner Vorhang). Die führt von der Barentssee entlang der finnisch-russischen Grenze, dann an der Ostsee entlang durchs Baltikum bis zur ehemaligen innerdeutschen Grenze, ab dort immer weiter gen Süden bis Österreich und anschließend schlängelt sie sich dann bis zum schwarzen Meer an der Grenze zwischen Bulgarien und der Türkei.

Die Radweginfrastruktur ist in Polen sehr gut ausgebaut und vor allem gut ausgeschildert. Man erkennt als Radfahrer schon von weitem, wo man vielleicht die Straßenseite wechseln muss. In Deutschland ganz oft von den Planern noch nicht verstanden.

Ein paar Streckenabschnitte heute gingen auf festem Sand durch Wälder. Ansonsten leider viel parallel an der Landstraße entlang. Die Strecke ging durch x Badeorte, die man sich wie Touristenorte am Mittelmeer vorstellen kann. Andenkenläden, Restaurants und Klamottenläden aller Kategorien, Spielhallen, Eisdielen, kleine Lebensmittelmärkte und Imbisse wechseln sich regelmäßig ab und nach 100 Metern sieht es wieder so aus wie auf dem Steckenabschnitt davor. Die Touristen bummeln und genießen das Wetter. Ins Auge fallen unheimlich viele hochwertige Neubauten. Große durchgestylte Apartmenthäuser und Hotels, die alle einen Architektendesignpreis gewinnen könnten und hochwertig wirken.

Das heutige Ziel war Kolberg, oder Kołobrzeg wie es richtig heißt. Gesprochen wird es Ko-wo-bschek, wie ich mir von meinem Vermieter habe beibringen lassen (ich bin mir auch nicht sicher, ob er mit meiner Aussprache am Ende zufrieden war oder aufgegeben hat). Die Orte hier haben alle deutsche Namen, da sie bis 1945 zum Deutschen Reich und davor zu Preußen gehörten. Somit werden die deutschen Namen eigentlich nicht mehr genutzt.

Kołobrzeg ist nicht wirklich sehenswert. Selbst Wikipedia fällt nicht mehr als eine Basilika, das Rathaus, ein Leuchtturm und der Strand ein. Mein Highlight hingegen war ein langer schmaler Waldstreifen am Strand. Man spaziert in einer Allee von großen Bäumen, sieht den Strand und das Meer nur ab und zu bei kleinen Abgängen. Ansonsten ist alles zugewachsen. Ab und zu kleine Restaurants oder Strandbars. Beim Spaziergang hört man durchgehend Meeresrauschen und durch das viele Grün war es noch richtig angenehm temperiert. In diesen Tagen echt wichtig.

Zum Schluss noch viele Grüße vom Schweinehund, da einige nachgefragt haben, wie es ihm geht. Morgens ist er richtig aktiv und steckt mich mit seiner Lustlosigkeit an. Erst einmal auf dem Rad, schmollt er. Ich glaube ihn immer nur lachen zu hören, wenn eine ungesehene Unebenheit im Weg vom Rad über Sattel und das inzwischen leicht empfindliche Hinterteil an das Schmerzzentrum übermittelt wird und in ein „autsch“ übersetzt wird.

Stefan

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