Er radelt wieder. Schweinehund hat alles gegeben, um es zu verhindern. Seit heute sitzt er virtuell mit auf dem Rad und ist stinking.
Seit Tagen hatte er gute Argumente, die Fahrt noch etwas zu schieben: Kieler Woche, noch das eine Konzert mitnehmen, die Hitzewelle kommt, keine Lust auf die logistische Herausforderung alles in die Fahrradtaschen zu verteilen, und so weiter. Doch am Montag stand fest, dass es heute losgeht.
Heute um 6:49 habe ich auf die Uhr geschaut und fand die Idee gut, früher loszufahren wenn ich doch eh schon wach war. Schweinehund argumentierte, ich solle die Beine ruhig noch mal ganz kurz strecken, die würde ich heute brauchen. Um 8 Uhr klingelte mich dann der Wecker aus dem Tiefschlaf. Schweinehund gab danach alles, überredete mich sogar noch zu einem zweiten Becher Kaffee.
Um 9:30h war es dann so weit: ich stand mit dem Rad vor der Haustür und radelte die Kieler Hügellandschaft aufwärts in Richtung Preetz, Plön und Travemünde. Die Zeit für das Duschen hätte ich einsparen können, nach kurzer Zeit hinterließ ich regelmäßige Tropfen auf dem Radweg.
Spätestens nach der Fähre in Travemünde zum Priwall brauchte ich Schweinehund nicht mehr. Ich stellte mir schon selbst ernsthaft die Frage, warum ich das gerade wieder tue. Ich müsste es doch wissen, wie frustrierend Hügel sind, die man mit dem vollgepackten Rad kaum hochkommt. Ich müsste doch wissen wie nervzehrend elendig lange Landstraßen mit dem Rad sind, deren einzige Abwechslung die verschiedenen vorbeiziehenden Automodelle sind. Die Antwort habe ich dann heute Abend in Wismar wiedergefunden: es gibt nichts Schöneres als am Ende des Tages gegen den Schweinehund gewonnen zu haben, das gesteckte Ziel erreicht zu haben, die Dusche danach und dann etwas leckeres zu Essen und das erste Getränk quasi „auf Ex“ zu vernichten.
Wer übrigens noch nicht in Wismar war: Es ist ein wunderschönes Ziel und lohnt sich. Wismar ist eine gut erhaltene historische Hansestadt und gehört seit 2002 gemeinsam mit Stralsund zum UNESCO-Welterbe. Hier liegt auch tatsächlich der südlichste Punkt der Ostsee – in Form einer vollkommen unspektakulären Ecke eines Hafenbeckens (siehe Bild unten).
Ach ja, ich habe noch gar nicht verraten, wo es diesmal langgehen soll. 2024 habe ich einen Teil der Ostsee umrundet. Gestartet bin ich damals nach einer Fährüberfahrt von Kiel in Klaipeda/Litauen. Diesen Teil der Strecke hole ich nun im ersten Teil mit dem Rad nach.
Etappe 1: Kiel-Wismar
118,7 km
6:17h Fahrtzeit








